4. Taekwon-Do Hyong Seminar | 01. / 02. November 2014 | Kiel

4. Taekwon-Do Hyong Seminar | 01. / 02. November 2014 | Kiel

Inhalte

Theorie:
Anfänge von Taekwon-Do in Deutschland
Die drei Reiche – Eine prägende Epoche in der koreanischen Geschichte (GwangGae, GaeBaek)
Korea-Japan: Eine Chronik schicksalhafter Beziehungen (ChungJang, SamIl)

Praxis:
GwangGae Hyong | 10. Form
GaeBaek Hyong | 12. Form
ChungJang Hyong | 14. Form
SamIl Hyong | 16. Form

Programm | 4. Taekwon-Do Hyong Seminar

Referenten

  • Shin-Gyu Kang (Seminarleitung)
  • Dr. Holmer Brochlos, Institut für Koreastudien, Freie Universität Berlin
  • Dr. Björn Pospiech, Heidelberg
  • Claudia Denninghaus, Berlin
  • Maria Denninghaus, Berlin

Kooperationen

Nachlese

Bericht von Claudia Denninghaus

1. Tag

Theoretischer Teil (10:00-13:45): Um 10 Uhr versammelten sich die 38 Teilnehmer des Seminars im Seminarraum der Kieler Hochschule im Sportzentrum. Es gab wie immer Kaffee und belegte Brötchen zur Begrüßung der alten Freunde und neuen Gesichter; danach wurde das Seminar  mit einer Ansprache von Bernd Lange, dem Geschäftsführer des Kieler Hochschulsports, eröffnet. Er berichtete von den anfänglichen Schwierigkeiten, das traditionelle Taekwon-Do in den Hochschulsport einzuführen,  und der dann sehr erfolgreichen Entwicklung dank des unermüdlichen Einsatzes von Shin-Gyu Kang.

Danach gab Shin Gyu Kang einen Überblick über die Anfänge des Taekwon-Do ab 1963  in Deutschland und seine Verbreitung in Europa und der Welt, illustriert mit raren Fotos aus dieser Zeit. Die Fotos stammen aus dem Fundus unseres Großmeisters Kwon, Jae-Hwa, der sie zu dem Zwecke freundlich zur Verfügung gestellt hat.

In den folgenden 90 Minuten hielt Dr. Holmer Brochlos von der Freien Universität Berlin, Institut für Koreastudien einen Vortrag über die Epoche der 3 Reiche und ihre schließliche Vereinigung. Er erzählte uns Interessantes aus dem Leben des Königs GWANG GYE, (375-418),19 ter König der Koguryo Dynastie, der die verlorenen Kolonien Koreas einschliesslich der Manschurei zurückeroberte. Die 10. Hyong trägt seinen Namen und das Diagramm repräsentiert die Expansion sowie die Rückeroberung der verlorenen Gebiete. Die Hyong setzt sich aus 39 Bewegungen zusammen, für die 39 Jahre der Herrschaft des Königs.

Auch der General GAE BAEK aus dem Königreich Baekje wurde thematisiert. Nach ihm ist die 12. Hyong benannt. Er verteidigte sein Land 660n Chr. gegen den Einbruch der Truppen aus Silla mit Unterstützung der Chinesen. Es wird gesagt, dass er seine Frau und Familie vor diesem Kampf tötete. Das Diagramm zeigt seine Strenge und strategische Rafinesse und Disziplin. Er gewann die ersten Kämpfe, aber am Ende erlagen er und seine Leute der Übermacht von Silla und Tung.

Kurze Kaffeepause um 12:00; für das leiblich Wohl der Teilnehmer wird wie immer gut gesorgt.

Der zweite Teil des Vortrages beschäftigte sich mit dem Verhältnis Korea – Japan, ein unerschöpfliches Thema voller Grausamkeit und Entwürdigung.

In dem Zusammenhang wurde der große Generals Kim Dok-Ryong der Yi Dynastie behandelt, der sich das Pseudonym CHUNG JANG gegeben hatte, welches auch der Name der 14. Hyong mit 52 Bewegungen ist. Das Ende der Hyong, ein Angriff mit der linken Hand, deutet auf seinen tragischen Tod hin. Er starb im Alter von 27 Jahren im Gefängnis. Da er aufgrund falscher Beschuldigungen eingesperrt wurde, hatte er keine Möglichkeit mehr, sein volles Potential unter Beweis zu stellen. Er errang im Imjin-Krieg, dem siebenjährigen Invasionskrieg der Japaner in Korea auf dem Mudung Berg vor ca. 400 Jahren einen großen Sieg.

Auch der Hintergrund der SAM-IL Hyong wurde beleuchtet. Diese Hyong ist benannt nach dem koreanischen Unabhängigkeitstag, der an den Volksaufstand am 1.3.1919 gegen die Japanische Kolonialherrschaft erinnert. Die 33 Bewegungen stehen für die Anzahl der Volksvertreter, die für die Aktion verantwortlich waren. Die Verhältnisse zwischen Korea und Japan haben uns mal wieder erschüttert, und man fragt sich, welche Spuren dies in Korea hinterlassen hat..so lang ist es noch nicht her, dass Korea unabhängig wurde. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges blieb Korea noch japanische Kolonie…und nach der Teilung durch die USA und UDSSR schwelt der Korea Konflikt  ja bekanntlich auf anderer Ebene bis heute.

Der einzigartig trockene Humor und das Hintergrundwissen von Dr. Brochlos machten uns die alten Zeiten sehr lebendig, wir danken ihm an dieser Stelle nochmal dafür und hoffen in Zukunft noch mehr von ihm zu hören.

Mittagspause (14:00 – 15:00)

Mit so vielen Informationen angefüllt wurde es dann mal Zeit für Mittagessen in der wundervollen Kantine der Sportzentrums…viele gesunde leckere Mahlzeiten werden dort angeboten. Für uns wurde speziell ein Gericht in vegetarischen oder fleischhaltigen Varianten zubereitet.

Praktischer Teil (15:00 – 19:30): Der praktische Teil wurde um 15:00 mit einer halbstündigen Aufwärmphase begonnen.Dann folgte die Erläuterung des Ablaufplanes und der Einteilung in die Arbeitsgruppen.

Zunächst wurde die 10. Hyong thematisiert. Alle Gruppen nahmen an der Einführungsphase teil, in der die Hyong in ihren einzelnen Bewegungen vorgeführt und die Bedeutung der speziellen Techniken dieser Hyong und ihre Zählweise erläutert wurde. Danach wurde die Hyong in den einzelnen Gruppen mit den Referenten im Detail erarbeitet, geübt und vertieft. Fragen zu den Techniken konnten gestellt und geklärt werden. Für die niedriger graduierten Teilnehmer wurden die Hyongs unter der 10. Hyong entsprechend gearbeitet und der Stoff der vorherigen Hyongseminare wiederholt.

Danach kamen alle Teilnehmer wieder zusammen um an den Anwendungsbeispielen im Ilbotayron zu arbeiten. Einzelne Techniken der Hyong wurden im Einschrittangriff zur Verteidigung eingesetzt, so dass die Techniken auch im konkreten Kampf mit dem Partner transparent wurden und in den eigenen Bewegungsschatz eingegliedert werden konnten.

Genau nach diesem Konzept wurden im Folgenden auch die 12. und 14. Hyong erarbeitet.

Wie schon in den letzten Seminaren gab es zwischendurch wieder eine eigenständige Arbeitsaufgabe für die einzelnen Gurtfarben. Eine Vorführung sollte im Team in kurzer Zeit erarbeitet und am folgenden Tag präsentiert werden. Dazu gab es spezielle Vorgaben aus den aktuellen Themenbereichen, dem technischen Stand der jeweiligen Gurtfarben angemessen.

Abendausklang (20:00): Das gemeinsame Abendessen fand in einem sehr angenehmen Studentenlokal in der Nähe der Universität mit sehr frischem gesund zubereitetem Essen und freundlichem Personal statt. Hier konnten sich alle Teilnehmer besser kennenlernen, und die Teilnehmer konnten den Abend (nach intensiver Taekwon-Do Arbeit gutgelaunt)noch in anderen Locations fortsetzen ;-), während die Referenten sich auf Tag 2 einstimmten.

Tag 2

Der Ablaufplan von Tag 2 beinhaltete nach der Aufwärmphase die gemeinsame Thematisierung der 16. Hyong und die Wiederholung der anderen Hyongs in den Arbeitsgruppen nach dem bewährten Konzept der Seminare. Wieder konnten viele Fragen gestellt werden und die komplizierten Techniken der höheren Hyongs in der Anwendung transparenter gemacht und geübt werden.

Nach einer kurzen Übungsphase kam es dann zur Präsentation der selbständig erarbeiteten Vorführungen vor den anderen Gruppen und vielen dazugekommenen Zuschauern und Interessierten aus dem Sportzentrum Kiel. Die Ergebnisse waren auch diesmal erstaunlich professionell und wurden mit großem Applaus gewürdigt.

Zum Schluss gab es ein gemeinsames Abschlusstraining welches mit einer Meditationsphase beendet wurde. In der folgenden Runde konnte dann noch Feedback abgegeben werden, und das Seminar wurde offiziell mit der Ausgabe der Teilnehmerurkunden und Danksagungen beendet.                                                                                     

Teilnehmer

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