Das 8. Hyong Seminar – meine Eindrücke

von Christian Mallaun, 2. Kup Schüler, Vidal Taekwondo Ammersee

Einatmen, Ausatmen, dann eine Bewegung, die Kicks und Arme exakt in der Körpermitte fürs Gleichgewicht, der Fuß verliert beim Schritt nicht den Kontakt zum Boden, bewegt sich in kürzester Linie in die nächste Position, die Geschwindigkeit im Kick kommt mit der Gegenbewegung der Arme, die Bewegung locker wie beim Gehen, Arme und Beine gegenläufig, die seitlichen Kicks ebenso – nur halt quer dazu – der Blick schon vorher auf den imaginären Gegner gerichtet. Es sind ganz einfache Überlegungen, völlig logische Prinzipien die Großmeister Shin-Gyu Kang im Hyong Seminar vorstellt, warum bin ich da nicht selber drauf gekommen?

Einatmen, Ausatmen, ein simpler Fauststoß. Im letzten Moment wird die Faust um 180° gedreht. Nach der x-ten Wiederholung fühle ich plötzlich die Energie in meiner Bewegung. Gemeinsam mit unserem Meister Stefan Vidal stehen wir zu dritt in unserem Dojang vor den großen Spiegeln, in der Mitte davor der Monitor mit der Live-Übertragung des Hyong Seminars. Ich bin zum ersten Mal dabei. Etwas unverhofft, nachdem die neuen Einschränkungen zur Pandemie für mich die Möglichkeit zur Teilnahme vom Ammersee aus eröffnet haben. Es dauert auch ein wenig, bis ich mich mit den Anweisungen aus der Ferne zurechtfinde, bis ich das eindrucksvoll Vorgezeigte erfassen und im Rahmen meiner Möglichkeiten nachzuahmen schaffe. Gut, dass ich ab und an auf Stefan neben mir schielen kann; gut, dass uns Stefan in den letzten Monaten schon in die Kunst des Traditionellen Taekwondo von Großmeister Shin-Gyu Kang eingeführt hat.

Einatmen, 2-mal Ausatmen, Block und Angriff bilden eine Einheit. Im 2. Schritt fügt Großmeister Shin-Gyu Kang die einzelnen Bewegungen zu sinnvollen Sequenzen zusammen, bevor wir im 3. Schritt die Hyong als Kampf gegen die altbekannten imaginären Gegner ausführen. Mein Puls wird schneller, ich möchte auch das zunehmende Schwitzen nicht leugnen, aber ich sollte doch auf die Atmung achten. Mit Hilfe von Selfie-Video „perfektioniere“ ich meine Version der 9. Hyong entlang der drei Schritte. Aber auch ohne Video spüre ich die Entwicklung. Direktes Feedback kommt live aus der Halle in Hamburg. Meinem 360° Sprung fehlt da ganz offensichtlich die Balance, die Leichtigkeit. Das spüre ich auch selber und ebenso gleich den Ehrgeiz dies zu ändern.

Im Laufe der sieben Seminarstunden entwickelt sich das Training zu einem dreifach Sprung aus der 18. Hyong, den Großmeister Shin-Gyu Kang zeigt. Mein verzweifelter Versuch lehrt mich: Schuster bleib bei Deinen Leisten. Für mich gilt es nun, die einfachen Überlegungen bis hin zur Hyong als gezeigter Kampf zu verinnerlichen und in meinem traditionellen Taekwondo zu leben. Beim nächsten Seminar bin ich hoffentlich wieder mit dabei, live in Hamburg. Einatmen, Ausatmen.              

 

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